Hans Krása: Brundibár (1938)

"Kinderoper"

Brundibár-Plakat

1938 schrieb Hans Krása die Kinderoper Brundibár für einen Wettbewerb des Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung. Weil Hitler Polen überfiehl, gelangte dieser nicht mehr zur Auswertung. 1941 wurde diese Kinderoper heimlich, denn alle Aktivitäten der Juden waren verboten(!) im jüdischen Waisenhaus uraufgeführt.

Theresienstadt-Terezin
Am 10. August 1942 wurde Hans Krása ins Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) eingeliefert. Dort traf er die meisten Darsteller und Musiker aus dem Waisenhaus wieder. Brundibár wurde über 55 mal aufgeführt. Im Film "Theresienstadt" (Der Führer schenkt den Juden eine Stadt) wird auch eine Aufführung von Brundibár gezeigt. (Da der Text tschechisch war, haben ihn die SS-Männer nicht verstanden, ebensowenig wie die, für uns heute und für eingesperrten Zuschauer damals offensichtliche Tatsache, dass mit Brundibár der Führer des deutschen Reiches gemeint war.)

Der Inhalt
Zwei Kinder leben in der ärgsten Armut. Sie suchen eine Möglichkeit Milch für ihre kranke Mutter und sich selber zu bekommen. Auf der Strasse sehen sie, wie Brundibár, ein "Leierkastenmann" von den Vorüberziehenden ein ums andere Geldstück bekommt. Da sie nicht stehlen wollen, versuchen sie es mit Singen. Sie werden ausgelacht, auch Brundibár verjagt sie. Er ist derjenige welcher hier die Menschen anzieht.

Die beiden Kinder schlafen ein, eine Katze, ein Hund und ein Spatz kommen und wollen ihnen helfen. Sie holen alle anderen Kinder, üben das Singen, und siehe da, am nächsten Tag will niemand mehr Brundibár hören, alle Leute kommen und hören ihrem Gesang zu.
Die Geldstücke fallen nun in den Hut des Knaben, und alles scheint gut zu werden. Da kommt Brundibár, stiehlt den Hut mit dem Geld und rennt davon. Alle Kinder und die Tiere helfen nun, Brundibár einzufangen. Am Schluss siegen die, die einander helfen, was auch die Botschaft der Oper ist.

Die wenig später vergasten Teilnehmer an der Brundibár-Aufführung im Film Theresienstadt
Brundibár 1944 von Regisseur F.Zelenka

Die Musik
Beginn der Oper (Notenbild (c) bebucher)
zitiert nach:
Klavierauszug 2.Auflage von Tempo Praha ISMN M-66052-065-9
Ganz eindeutig ist die politische Qualität des Stücks, die Möglichkeit, die Auswirkungen des dritten Reichs auf die Juden auf kindgerechte Art zu zeigen, eine Qualität dieser Kinderoper.
Daneben bleibt aber auch die musikalische Qualität bestehen: Melodien, die leicht zu lernen sind, einfach aber nicht kitschig, Harmonien, die nicht fremd, sondern eigenartig klingen, ein in sich geschlossenes Ganzes, das auch ohne politischen Bezug Bestand hat.
Überlebende berichteten, dass Brundibár neben den offiziellen 50 - 55 Aufführungen weitere unzählige Male in Hinterhöfen, auf Gängen und Dachböden aufgeführt wurde.

Beat Bucher

Brundibár-Projekt der Jeunesse musicale
Brundibár-Projekt der Schule Wengen
Den Klavierauszug gibt es in 2.Auflage bei: Tempo Praha ISMN M-66052-065-9


letzte Änderung: 8.7.2004